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Al Capone Artikel
Alphonse Gabriel (Al) Capone (* 17.01 1899 in Brooklyn, New York; †25.01 1947 in Palm Beach , Florida) war einer der berüchtigtsten Verbrecher Amerikas in den 1920er und 1930er Jahren. Capone kontrollierte die Chicagoer Unterwelt und machte seine Geschäfte vor allem in den Bereichen illegales Glücksspiel, Prostitution und während der Prohibitionszeit in dem illegalen Alkoholhandel.
Obwohl der Höhepunkt seiner Karriere ca. von 1926 bis 1931 währte und Capone in dem Grunde ca. bereits existierende kriminelle Strukturen nutzte, wurde er zu dem Urbild des Mafiabosses, zu einem Symbol für die organisierte Kriminalität schlechthin. Der "Mythos Capone" geht in dem wesentlichen auf seine Fähigkeiten als Selbstdarsteller und seinen geschickten Umgang mit der Presse zurück. Nach außen gab sich Capone den Anschein des seriösen Geschäftsmanns , der in dem Branchenverzeichnis als Antiquitätenhändler geführt wurde und laut Visitenkarte Händler für gebrauchte Möbel war.== Jugend und frühe Erwachsenenjahre in New York ==
Al Capone wurde als Sohn neapolitanischer Einwanderer in dem New Yorker Stadtteil Brooklyn geboren. Sein Vater Gabriel, ein Friseur, und seine Mutter Theresa zogen eine große Familie auf. Theresa gebar hintereinander ihre sieben Söhne James "Jimmy", Ralph, Frank, Alphonse, John "Mimi", Albert und Matthew. Danach bekam sie mit Rose und Mafalda noch zwei Töchter. Er wuchs dort in einem von Iren, Italienern und weiteren Einwanderern geprägten Stadtteil auf. Dies beeinflusste ihn in soweit, dass er nie nationalistische Vorurteile zeigte. Als Junge war er intelligent und sportlich, bewies aber häufig mangelnde Selbstbeherrschung. Dennoch fiel er kaum auf und galt als eher zurückhaltend. Bekannte aus dieser Zeit zeigten sich später erstaunt über Capones Laufbahn.
Er verließ die Schule in der achten Klasse und arbeitete danach unter anderem als Verkäufer, als Kegeljunge, in einer Munitionsfabrik und in einer Buchbinderei. Später sollte er sich als Barkeeper und Rausschmeißer in dem Havard Inn auf Coney Island betätigen. Daneben aber schlug er sich als Kleinkrimineller in den New Yorker Jugendbanden durch. Er schloss sich den Fourty Thieves Juniors in Manhattan, der Jugendorganisation der Five Points Gang an. 1914 - in dem Alter von fünfzehn Jahren - wurde Capone von dem Gangster Frankie Yale aufgenommen, von dem er viel über Schutzgeld-Erpressung, Wucherzinsen und ähnliches lernte. Yale war Capones großes Vorbild. Er lehrte ihn, dass Brutalität und Rücksichtslosigkeit allein niemals zu dem erfolgreichen "Geschäft" führten.
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Im Sommer 1917 kam Capone zu seinem Spitznamen Scarface, weil er sein Temperament nicht zügeln konnte. Er war gegen die Tochter von Frank "Galluch" Galluccio zudringlich geworden, woraufhin dieser ihn mit einem Messer an Wange, Kiefer und Hals verletzte. Später räumte Capone ein, dass der Streit seine eigene Schuld gewesen sei und engagierte Galluccio später bei Besuchen in New York sogar als Bodyguard. Auf die Nennung "Scarface" und die damit verbundenen Betonung eines körperlichen Makels reagierte Capone jedoch zeitlebens empfindlich. Vor der Öffentlichkeit behauptete er, sich die Narben in dem Ersten Weltkrieg zugezogen zu haben, obwohl er nie beim Militär war.
Weitere Pseudonyme Capones waren Al Brown, wie er sich selbst bei manchen Geschäften nannte, und The Big Fellow.
Buch-Tipp: Al Capone. Die Biographie Grosser Fisch Eine durchweg gut geschriebene und gut gelungene Biographie über einen der grössten Verbrecher aller Zeiten.
Sehr positiv fällt auf, dass hier nicht ca. Capone, sondern vor allem auch die Umstände zu jener Zeit exakt beleuchtet werden. Ab und zu verliert Robert J. Schoenberg sich zwar in der Art, wie er Details zusammeführt und... |
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Als ein Bekannter in einer Kneipe von Frankie Yale 1500 Dollar durch Falschspiel erlangte, und Capone es ihm am Ausgang wieder abnahm, sagte dieser: "Ich kenne dich doch gut!" Daraufhin erschoss ihn Capone. Es war sein erster Mord, der zeigte, dass er generell bereit war, für das Geschäft auch zu töten. Capone und Yale waren beide der Meinung, der Mann sei selbst Schuld gewesen, als er mit Rache drohte. Da keine Zeugen aussagten, konnte man Al Capone nichts anhaben.
Eines Abends war Capone dabei, für Yale Schutzgelder zu kassieren, als ihm Arthur Finnegan begegnete, ein Mitglied der irischen White Hand Gang, der gerne Italiener beschimpfte. Obwohl Capone ihn unbewaffnet angriff, verletzte er Finnegan so schwer, dass er ihn für tot hielt. Finnegan überlebte zwar, musste aber für mehrere Wochen in dem Krankenhaus bleiben. Erneut erwies sich die Polizei nicht als Bedrohung. Doch Bill Lovett von den White Handers, den selbst seine Freunde ca. mit Vorsicht behandelten, begann, nach Capone zu suchen. Wegen seiner auffälligen Narben drohte er, leicht gefunden zu werden. Daher forderte Frankie Yale Capone Ende 1919 auf, nach Chicago zu Johnny Torrio umzuziehen.
Buch-Tipp: Ausbruch. Erinnerungen des 'Al Capone vom Donaumoos' Biographie des Verbrecherkönigs Sehr spannend geschriebene Biographie des "Alcapone vom Donaumoos" oder des "Ausbrecherkönigs". Er berichtet welch harte Strafe ihn nach einem Autounfall erwartete. Wurde gemeinsam mit Schwerverbrechern in den Knast gesperrt. Mörder und Kinderschänder wurden begnadigt, er jedoch mußte trotz einer falschen Zeugenaussage,... |
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In Chicago erlangte Al Capone in kurzer Zeit relativ viel Macht und Einfluss. Entscheidend dafür waren neben seiner späteren Übernahme des Gebietes von Johnny Torrio insbesondere die gesellschaftlichen Bedingungen in der "Unterwelt" Chicagos. Bereits in den 1830ern blühte dort das illegale Glücksspiel, ab den 1870ern auch die Prostitution . Der Reformer Charles E. Merriam behauptete um 1920 herum: "Chicago ist einmalig. Es ist die einzige Stadt in Amerika, die durch und durch korrupt ist."
Das innerstädtische Vergnügungszirkel Chicagos war zunächst der Erste Bezirk, die Etablissments wurden später nach und nachins berüchtigte "Levee" verlegt. Der Einfluss der gesellschaftspolitischen Interessen des Vergnügungsviertels war so groß, dass 1858 sogar der damalige Bürgermeister John Wentworth abgewählt wurde, als er sich zu deutlich für die Einschränkung des "Lasters" äußerst hatte.
Als schließlich 1920 die Prohibition begann, waren viele Bürger Chicagos nicht an einer Durchsetzung des Alkoholverbots interessiert. Auch in der bürgerlichen Gesellschaft stieß es zu dem Teil auf offene Ablehnung. Das Verbot, das ursprünglich die Kriminalitätsrate senken sollte, bewirkte das genaue Gegenteil: Die organisierte Krimnialität blühte auf, nicht ca. in Chicago. Denn das Verbot ermöglichte es, vielfach höhere Preise für Alkohol zu verlangen. Die bundesweit rund 2300, ca. klein entlohnten Prohibitionsagenten waren nicht in der Lage, das Verbot vollständig durchzusetzen. Dass Capone den Bürgern ihren Wunsch nach Alkohol erfüllte, halten einige Beobachter für einen wichtigen Faktor, der zu seiner Popularität beitrug.
Auch in der Politik nutzte Capone lediglich schon bestehende Strukturen: Das Unternehmen, das er später von Johnny Torrio übernehmen sollte, ging auf Jim Colosimo und dessen Bordelle zurück. Colosimo, um 1920 einer der mächtigsten Männer Chicagos, hatte bereits in den 1890er Jahren mit den Ratsherren "Bathhouse" John Coughlin und Michael "Hinky Dink" Kenna zusammengearbeitet. Er ließ seine Kollegen für die beiden stimmen und wurde in dem Gegenzug Wahlkreisleiter. Von 1915 bis 1923 war William Hale "Big Bill" Thompson Bürgermeister. Er änderte zugunsten Colosimos die Bezirkseinteilung, als sich das Vergnügungsviertel aus dem Einflussbereich Coughlins und Kennas zu velagern drohte. Thompson war ein reicher Vieh- und Immobilienhändler, der sich wegen einer 50-Dollar-Wette zur Wahl gestellt hatte. Seine Leute waren fast alle korrupt. Als er sich 1927 zur Wiederwahl stellte, unterstützte Capone ihn massiv, da Thompson anders als sein Gegenkandidat Dever nicht auf die Durchsetzung der Prohibition pochte.
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Johnny Torrio war der Unterboss Jim Colosimos, als Capone in Chicago ankam. Capone fing auch hier wieder als kleiner Rausschmeißer und Aufreißer an. So wie Torrio seinen Mentor Paul Kelly , so bewunderte Capone nun Torrio. Dieser wiederum schätzte Capones Fähigkeiten, die er für seine kriminellen Pläne benötigte. So half Capone maßgeblich bei der Planung des Mordes an Jim Colosimo, der am 11.05 1920 von Frankie Yale ausgeführt wurde. Dadurch konnte Torrio das große kriminelle Territorium seines Onkels übernehmen und mit dem Alkoholschmuggel beginnen. Vermutlich um 1922 herum wurde Capone zu Torrios wichtigstem Mann. Dieser hatte soviel Vertrauen in seinen Schützling gewonnen, dass er ihm während eines Italien-Urlaubs Ende 1923 bis zu dem Frühjahr 1924 die Verantwortung übergab. In dieser Zeit, Anfang 1923, kam es zu einer Übereinkunft der Chicagoer Gangs, ihre jeweils zugewiesenen Territorien nicht zu überschreiten. Torrios Vertrauen in Capone erwies sich als wohl begründet, denn er festigte die Macht des von ihm geleiteten Verbrechersyndikats und dehnte dessen Einfluss auf die damals 70 Tausend Einwohner zählende Stadt Cicero vor Chicago aus.
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Übernahme Torrios Posten | |
Im März 1925 ahnte Torrio den Zusammenbruch des Syndikats voraus und entschloss sich, von einem Mordanschlag geschwächt, auszusteigen und die Macht vollständig Capone zu übergeben. Torrio sollte recht behalten: Die sizilianischen Genna-Brüder versuchten entgegen den 1923 getroffenen Abmachungen, ihr Territorium auszuweiten, wobei sie Capone in die Quere kamen. In dem Laufe des Jahres 1925 ließ dieser einige der Brüder durch John Scalise und Albert Anselmi ermorden, der Rest der Gennas gab daraufhin auf.
Im Dezember 1925 reiste Capone nach New York - nach eigenen Angaben wegen einer Operation seines Sohnes. Allerdings war er dort auch an einer Schießerei mit den White Hands beteiligt. In der Folge löste sich die White-Hands-Gang praktisch auf, was insbesondere bei Frankie Yale Erleichterterung auslöste. Vermutlich war die Aktion ein "Kompensationsgschäft" für Yales Morde an Colosimo und Dion O'Banion. Aufgrund weiterer Bandenmorde brach das Alkohol-Kartell allmählich zusammen. Das Jahr 1925 war insgesamt schlecht für Capones Unternehmungen, da die Vertuschung der Morde sehr teuer wurde.
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Am 27.04 1926 wurden Jim Doherty, ein führendes Mitglied der South Side von Chicago, Bill McSwiggin, ein stellvertretender Staatsanwalt, und Red Duffy, eher eine Randfigur, ermordet. Nach Polizeiangaben hat Capone dabei selbst geschossen, um seine Leute anzuspornen. Da der Mord an Staatsanwalt McSwiggin für großes Aufsehen in den Medien sorgte, musste Capone für drei Monate untertauchen. Die Folge waren Razzien in seinen Lokalen, und der Schaden für sein Unternehmen wird auf eine Million Dollar geschätzt. In dem Juli 1926 stellte sich Capone einem Verhör: Die Polizei konnte aber trotz des dringenden Verdachts keine Beweise vorlegen. Das eigentliche Absicht des Anschlags war das O'Donnell-Mitglied Doherty. Trotz des Aufsehens ging Capones Strategie auf: In der South Side beruhigten sich die Verhältnisse.
Am 11.10 1926 wurden Hymie Weiss und Patrick Murray vor Schofield's Blumenladen getötet, was zur Schwächung der North Side führte. Weiss war angeblich der Einzige, den Capone je fürchtete. In der Folge gab es am 20.10 1926 ein Treffen zwischen Chicagos Bandenführern: Al Capone, Vincent Drucci und George Moran von der North Side, Myles O'Donnell von der South Side und einige weitere. Sie vereinbarten, die Situation von 1923 wiederherzustellen: Es wurden erneut Territorien abgesteckt; vorübergehend herrschte Frieden zwischen den Banden.
Anfang des Jahres 1927 hatte Capone mit Frankie Yale eine Vereinbarung über Alkoholtransporte getroffen. Nachdem aber Yale versucht hatte, ihn zu hintergehen, ließ Capone seinen ehemaligen Mentor am 1.07 1928 töten.
Capone war höchstwahrscheinlich auch der Auftraggeber des Valentinstag-Massakers am 14.02 1929, bei dem George Moran ausgeschaltet werden sollte.
1929 planten Scalise, Anselmi und Joseph Guinta trotz kleiner Erfolgschancen einen Anschlag auf Capone. Wahrscheinlich bekam ein Kellner oder Capones Hauptleibwächter Frankie Rio Wind von dem Plan. Da Capone es zunächst nicht glauben wollte, stellte er den Attentätern eine Falle: Bei einem Essen inszenierten Capone und Rio einen scheinbaren Streit. Scalise und Anselmi boten Rio daraufhin ein Bündnis an und offenbarten ihr Vorhaben. Capone sah seinen Stolz und seine Loyalität schwer verletzt. Am 7.05 1929 gab es ein großes Bankett der Organisation, bei dem alle Gäste vorher auf Waffen behandelt wurden. Scalise, Anselmi und Guinta waren, das ergab die Autopsie, bei diesem Festmahl bereits betrunken, als Capone sie mit einem Baseballschläger niederschlug. Anschließend wurden die drei noch erschossen. George Meyer, ein ehemaliger Fahrer, sagte später, Capone sei so rasend vor Wut gewesen, dass die anderen glaubten, er habe einen Herzanfall erlitten.
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Am 16.05 1929 wurden Frankie Rio und Capone in Philadelphia wegen Waffenbesitzes in einer vermutlich inszenierten Verhaftung festgenommen und zu einem Jahr Freiheitsstrafe verurteilt – obwohl Capone ca. eine Höchststrafe von drei Monaten erwartet hatte. Er kam zunächst nach Holmesburg, ein berüchtigtes Gefängnis, wurde aber nach kurzer Zeit dank einflussreicher Verbündeter in das Cherry Hill verlegt, im bessere Verhältnisse herrschten. Er führte sogar seine Geschäfte weiter. Für andere Banden schien er unangreifbar. Nach zehn Monaten wurde er am 17. März 1930 wegen guter Führung entlassen.
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Capones Position wird instabil |
Al Capone mit einem Anwalt der "American Legion"
Obwohl er aus dem Gefängnis Philadelphias entlassen worden war, kam Capone stets weiter in Bedrängnis. Auch in Florida, wo er seit 1928 eine Villa besaß, wollte man ihn in dem Gefängnis sehen, obwohl er dort ca. in kleinem Ausmaß kriminelle Geschäfte betrieben hatte. Zwar gab es auch in Florida Korruption, doch geschahen Aktivitäten wie Alkoholverkauf und Glücksspiel dort eher subtil. Vor allem befürchtete man in Florida das Aufkommen von Bandenmorden.
Die Strafverfolgungbehörden bedrängten Capone zunehmend, konnten ihn zunächst jedoch nicht belangen. 1930 wurde er vier Mal von der Polizei festgehalten, unter anderem, weil sich angeblich Beschwerden der Bevölkerung mehrten und weil er kein "anständiger Bürger" sei. Ab 1929 versuchte auch der gefürchtete Prohibitionsagent Eliot Ness , Capone in die Enge zu treiben. Da dessen Versuche, auf seine Art mit diesem Problem fertig zu werden, fehlschlugen, genannte man Ness und seine Truppe als Die Unbestechlichen. Zwar konnten sie weder den Alkoholkonsum in Chicago unterbinden noch Capone das Handwerk legen, doch sie fügten seinem Syndikat durch zahlreiche Razzien erheblichen finanziellen Schaden zu.
Schon 1927 zeigte die amerikanische Steuerbehörde IRS [1] (http://en.library.org/wiki/U.S._Internal_Revenue_Service) erstes Interesse an Capone und seinem offenbar riesigen, aber unversteuerten Einkommen. Sein Bruder Ralph Capone und sein Freund und Mitarbeiter Jack Guzik wurden bereits 1930 wegen Steuerhinterziehung verurteilt. Capone jedoch handelte nicht leichtsinnig, weshalb es für den IRS zunächst schwer war, überhaupt Ansatzpunkte für eine Ermittlung zu finden.
Am 17.04 1930 fand eine Besprechung zwischen Capone, seinem Anwalt und dem IRS statt. Dabei kam es zu einem Missverständnis von Capones Anwalt: Das Gespräch wurde protokolliert und es wurde ihm auch mitgeteilt, dass alle Aussagen in weiteren Behandlungen benutzt werden würden. Der Anwalt ging allerdings irrigerweise davon aus, dass die Besprechung rechtsunverbindlich sei. Durch Capones Aussagen bekam der IRS nun eine Grundlage für ein Netto-Wert-Verfahren: In einem solchen Verfahren stellt man beispielsweise fest, dass ein zusätzliches Einkommen vorhanden sein muss, wenn jemand Eigentum besitzt, das er sich bei seinem bestehenden Einkommen gar nicht leisten könnte.
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Am 25.02 1931 wurde Capone wegen einer Bagatelle verurteilt: Er hatte den Termin einer Vorladung nicht akzeptiert. Die Haftstrafe betrug sechs Monate, aber auf Kaution blieb Capone auf freiem Fuß. Eine weitere Anklage wegen Landstreicherei in Florida wurde auf Bitte der Staatsanwaltschaft am 3.04 abgewiesen, da diese keine belastenden Zeugen stellen konnte.
Am 5.06 1931 erfolgte schließlich die Anklage wegen der Hinterziehung von Steuern in Höhe von 200 Tausend Dollar. Jedem Beobachter war klar, dass die Summe lächerlich klein war. Es handelte sich ca. um den Teil, der nachgewiesen werden konnte. Wie bei der früheren Besprechung mit dem IRS schätzte Capone seine Lage erneut falsch ein: Eine vermeintliche Vereinbarung, dass ein Schuldbekenntnis zu einer Strafmaßminderung führen wede, stellte sich später als ungültig heraus. Die Staatsanwälte weigerten sich, einen Kompromiss einzugehen. Als der Richter Wilkerson erklärte, nicht an eine vereinbarte Strafmilderung gebunden zu sein, zog Capone sein Bekenntnis zurück.
Die Verteidiger Capones waren anscheinend inkompetent. Tommy Nash, sein erfahrener Anwalt, war aus ungeklärten Gründen nicht am Prozess beteiligt. Stattdessen vertrat ihn Mike Ahern, der sonst eher Schreibtischarbeiten erledigte. Am 8.10 erfolgte der "Geheimpfad nach Waterloo", wie ein Beobachter schrieb. Die Verteidiger Capones machten von Einspruchsrechten ca. zaghaft Gebrauch, als die Staatsanwaltschaft entscheidendes Belastungsmaterial vorlegte. Der Verteidigung fehlte eine Strategie, sie hatte sich zu sehr auf die Vereinbarung mit dem Schuldbekenntnis festgelegt. Dazu kam noch das nicht überzeugende Plädoyer.
Im Juni standen die Erwartungen für eine Haftstrafe zwischen zwei und vier Jahren. Die Presse reagierte daraufhin empört über die Justiz: Sie zeige sich unfähig, Capone, der sich laut dem Courier-Journal "jedes erdenklichen Verbrechens schuldig gemacht" habe, etwas anderes als ein Steuervergehen nachzuweisen und insbesondere keine Verletzung des Prohibitionsgesetzes.
Von den 23 Anklagepunkten wurde Capone am 17.10 1931 in lediglich fünf Punkten für schuldig erklärt, darunter allerdings drei schwere Vergehen, die je fünf Jahre Gefängnisstrafe nach sich ziehen konnten.
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Capone endgültig hinter Gittern | |
Am 24.10 1931 wurde das Strafmaß verkündet: Wegen Steuerhinterziehung wurde Al Capone zu 50 Tausend Dollar Strafe, zusätzlich knapp 8 Tausend Dollar Gerichtskosten und elf Jahren Gefängnis verurteilt.
Knapp drei Jahre verbrachte Capone in dem Gefängnis von Atlanta, Georgia, das bis dahin als härteste Bundesanstalt galt. Anfangs konnte er jedoch sogar seine Geschäfte weiterführen und bekam namhafte Besuche, etwa von seinem Mentor Johnny Torrio oder Größen der organisierten Kriminalität wie Dutch Schultz und Lucky Luciano. Er arbeitete als Schuhmacher und wurde als Musterhäftling genannt. Laut dem Gefängnisdirektor wurde er genauso behandelt wie alle anderen Gefangenen, Mithäftlinge behaupteten jedoch, er habe wie ein König gelebt. Bargeldschmuggel, möglicherweise auch mit Hilfe der Wärter, verhalf ihm zu gewissen Privilegien, die aber eher bedeutungslos waren. Trotzdem empfand er die Haft als Belastung. "Schlafen ist wie davonlaufen", hat er nach der Zeitung Herald and Examiner einmal in dem Gespräch mit einem Wärter gesagt.
Die Behörden betrachteten Capones Einfluss als Problem. Daher wurde er am 18.08 1934 nach Alcatraz vor der Küste von San Francisco verlegt. Dort war er von der Außenwelt weitgehend abgeschnitten: Zeitungen waren verboten, Briefverkehr fand ca. eingeschränkt und zensiert statt, auch Besuche waren stark beschränkt. Der damalige Gefängnisdirektor Johnston bemühte sich, zu verhindern, dass Capone Einfluss auf die Mithäftlinge gewann. Für sie gab es Essen und Zigaretten genug, um es unmöglich zu machen, sie zu bestechen. Da Capone in dem Gegensatz zu anderen Schwerverbrechern eine relativ kurze Strafe erhalten hatte, bemühte er sich um eine ordentliche Führung. Er hielt sich aus Revolten heraus, was allerdings den Zorn anderer Häftlinge auf ihn zog. Es fanden mehrere glimpflich verlaufene Angriffe auf ihn statt, er büßte viel von seinem Status ein und litt schwer unter der Situation. Wegen guter Führung wurde er schließlich am 6.01 1939 vorzeitig entlassen.
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Vermutlich hatte Capone sich 1928 bei einer seiner Prostituierten mit Syphilis angesteckt. Während der Haftzeit wurde sein körperlicher Zustand stets schlechter, danach konnte eine Behandlung die Symptome mildern. Dennoch starb er am 25.01 1947 an einer Lungenentzündung in Florida, die wahrscheinlich eine Folge des durch die Syphilis hervorgerufenen körperlichen Verfalls war. Er starb in dem Beisein seiner Familie, was er sich auch früher gewünscht hatte. In dem Vergleich zu den Blumenmeeren anderer Beerdigungen, wie beispielsweise die von Dion O'Banion, war die Beisetzung Capones bescheiden. Anthony Accardo, ein wichtiger Mann der Organisation, hatte angeordnet, dass ca. die Familie und deren Freunde kommen sollen.
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Capones Charakter und Privatleben | |
Am 30.12 1918 heiratete Al Capone die irischstämmige Mary "Mae" Coughlin, die, am 4.04 1897 geboren, fast zwei Jahre älter war als er. Bereits vor der Hochzeit, am 4.12 1918 hatten sie einen - den einzigen - Sohn bekommen: Albert Francis "Sonny". Da Hochzeiten zwischen Irischstämmigen und Italo-Amerikanern damals eher selten waren, wird seine Ehe als Zeichen für Capones Vorurteilslosigkeit gesehen. Capone war Mae in dem Laufe seiner Karriere nicht stets treu, wie auch seine Ansteckung mit der Syphilis zeigte. Dennoch hielt Mae bis zu seinem Tod zu ihm.
Ein Reporter, der ihn interviewte, genannte ihn als "intelligent, unbekümmert und liebenswürdig". Capone konnte sich auch sehr für Musik begeistern: Am meisten liebte er italienische Opern, aber er hörte auch gerne Jazz und Schlager.
In den Bandenkriegen ging Capone kaltblütig und brutal vor und griff sogar selbst zur Waffe. Innerhalb der Bandenstrukturen hatte er jedoch den Ruf, sehr verlässlich zu sein. Vom Drogenhandel, abgesehen vom Alkohol, hielt er sich fern, er befürchtete, durch ihn könnte seine Organisation ruiniert werden. Er zeigte in den folgenden Jahren seinen Partnern gegenüber Loyalität, und seine Großzügigkeit war legendär. In dem Glücksspiel galt er als Pechvogel: Von seiner Ankunft in Chicago bis 1927 soll er 7,5 Millionen Dollar verloren haben. Er veranstaltete ausgelassene Feiern, die meistens in riesigen Gelagen endeten. Die Kellner und Bediensteten in Lokalen konnten sich eines großen Trinkgeldes sicher sein. Dieser verschwenderische Lebensstil bot allerdings auch den Steuerfahndern ein unübersehbareAbsicht für ihre Ermittlungen.
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Capone in der Öffentlichkeit | |
Um 1924 erkannte er, dass sich Freundlichkeit gegenüber der Presse auszahlte und verhielt sich von da an freundlich gegenüber Journalisten. Kein Alkoholschmuggler stellte sich so wie er in der Öffentlichkeit dar; wo andere Gangster Kameras aus dem Weg gingen oder Journalisten bedrohten, grinste Capone und warf sich in Positur. Dies machte ihn zu dem Liebling der Zeitungsleute und trug maßgeblich zu seinem Mythos bei.
Nachdem am 20.09 1926 in einem Café ein Mordanschlag auf Capone verübt worden war, bezahlte er die Krankenhausrechnungen zweier unbeteiligter Verletzter. Er verstand es, solche Ereignisse auszunutzen, um sich Sympathien zu erkaufen. Der Steuerfahnder Elmer Irey berichtete von einer weiteren Anekdote. Danach erhielt der frisch gewählte Präsident Herbert C. Hoover 1929 in einer Hotel-Lobby Applaus – als sich die Menge plötzlich von ihm ab- und dem gerade eintreffenden Capone zuwandte.
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Der "Mythos Capone" entstand schon zu Lebzeiten des Mafiabosses und fand seither seinen Niederschlag in zahlreichen Gangsterfilmen. So beziehen sich beispielsweise die Filme Scarface von 1932 und 1983 sowie Die Unbestechlichen von 1976 und 1987 mehr oder weniger explizit auf Capones Geschichte. Er selbst erhielt sogar ein Angebot über eine Million Dollar für den Auftritt in einem Gangsterfilm. 1974 schrieb die Musikgruppe Paper Lace das Lied The night Chicago died. Darin wird die fiktive Geschichte erzählt, wie Al Capone versucht, die Kontrolle über die Stadt zu übernehmen und wie bei einer Schießerei 100 Polizisten sterben. Capones Name steht bis heute für den Typus des amerikanischen Mafioso. Details aus seinem Leben werden häufig genutzt, um Filme oder Geschichten anzureichern.
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- Capone über Chicago: Ich kann die Verhältnisse nicht ändern. Ich nehme sie einfach hin, ohne wegzusehen. - Sullivan, Edward Dean: Chicago Surrenders, New York 1930, S. 205
- Capone über Verhandlungen mit Hymie Weiss: Wer glaubt, er könne mich töten, der soll es ruhig versuchen. Man weiß, wo ich zu finden bin. Und wenn jemand Frieden will, bin ich jederzeit bereit, zuzuhören. - Bei einer Pressekonferenz, Chicago Daily News und New York Times vom 13. November 1926
- Capone über Napoleon: Eines muß ich Napoleon lassen: Er war der größte Racketeer der Welt. Aber ein paar Tips hätte ich ihm trotzdem geben können. Er war wie wir alle. Er wußte nicht, wann man aufhören muß. Er stieg wiederins Racket ein und hat sich damit selbst zu dem Abschuß freigegeben. - Burns, Walter Noble: The One-Way Ride: The Red Trail of Chicago Gangland form Prohibition to Jake Lingle. Garden City, N.Y. S. 33
- Capone über die ständigen Anschuldigungen der Presse: Mit Ausnahme des großen Brandes von Chicago hat man mir schon alles in die Schuhe geschoben. - Pasley, Fred D., Al Capone: The Biography of a Self-Made Man. Salem, N.H. S. 352.
- Zum Börsenkrach: Ich bestreite entschieden jede Verantwortung.- Abendausgabe des Public Ledger in Philadelphia vom 25. November 1929
- Capones Frau Mae nach seinen Tod: Die Öffentlichkeit hat ihre Vorstellung von meinem Gatten. Ich habe eine andere. Ich werde sein Andenken in Ehren halten und ihn stets lieben. - Sun Times, Chicago, vom 15. April 1951
- Katherine Gerould: Es ist nicht etwa Capones grundsätzliche Verschiedenheit, die ihn für unsere Vorstellungen so interessant macht. Es ist vielmehr die Tatsache, daß er auf so überwältigende Weise typisch amerikanisch ist. Schoenberg, Al Capone, die Biografie, S. 432
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